Die Sammlung der Caroline Murat in München

Goldkranz von Armento, 4. Jahrhundert v. Chr., Gold, 37 x 35,5 cm, Inv.-Nr.: NI 2335 WAF, Foto: © Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek

Im März 1826 unterzeichnete Leo von Klenze im Auftrag des bayerischen Königs Ludwigs I. einen Vertrag, der den Ankauf der Antikensammlung der Gräfin Lipona regelte. Bei der „Lipona“ handelte sich um Caroline Murat, die jüngste Schwester Napoleon Bonapartes, die von 1808 bis 1815 als Königin von Neapel herrschte. Sie nahm stets regen Anteil an den archäologischen Entdeckungen in ihrem Königreich und initiierte sogar selbst Ausgrabungen in Pompeji und im Umfeld Neapels. So entstand im königlichen Schloss von Neapel Stück für Stück ein privates Antikenmuseum mit hochkarätigen archäologischen Funden.

Mit dem Untergang Napoleons verloren die Murats jedoch 1815 ihr Königreich in Neapel. Caroline gelang es, sich mit einem Teil ihrer Kunstsammlungen auf habsburgisches Territorium abzusetzen, wo sie fortan als Gräfin von Lipona – ein Anagramm von Napoli – lebte. Aus Geldnot sah sie sich alsbald gezwungen, ihre Kunstgegenstände nach und nach zu verkaufen. Dies war die Chance für König Ludwig I. von Bayern, der sich bereits als Kronprinz für die Antike begeistert hatte. Er erwarb die Sammlung Caroline Murats, die bis heute als Kern der bayerischen Antikensammlungen gilt und die 1923 im Zuge der Trennung des Privat- vom Staatsvermögen der bayerischen Könige dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds übereignet wurde.

Ein zentrales Exponat ist der sogenannte „Goldkranz von Armento“, bestehend aus goldenen Eichenzweigen, die zu einem Kranz gebunden und mit Glockenblumen, Weintrauben, Bienen und fünf Eroten verflochten sind. Das Meisterwerk aus dem 4. Jahrhundert vor Christus wurde 1814 bei Ausgrabungen im Gebiet der antiken Stadt Grumentum, dem heutigen Armento in Süditalien, gefunden.

Den Ankauf der Sammlung Lipona vor genau 200 Jahren nimmt die Sonderausstellung „Sammeln mit Stil. Caroline Murat, Ludwig I und die Antike“ in den staatlichen Antikensammlungen in München zum Anlass, sich den beiden von der Antike begeisterten königlichen Sammlern anzunähern (8.7.2026-17.1.2027). Erstmalig wird ein großer Teil der ursprünglich aus knapp 450 Werken bestehenden Sammlung Lipona präsentiert.

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