
Immer wieder wurden große mittelalterliche Altäre zerlegt, nachdem man sie – zumeist Anfang des 19. Jahrhunderts – dem ursprünglichen sakralen Ort entnommen hatte. Die einzelnen Tafeln gelangten anschließend über teils abenteuerliche Wege in die Obhut verschiedener Sammlerinnen und Sammler oder Museen. So geschah es auch mit einem Altar, den der berühmte Maler Fra Angelico geschaffen und der – gestiftet von der Familie Medici – im Januar 1443 in der Hauptchorkapelle der Dominikanerkirche San Marco in Florenz installiert gewesen war. Noch vor der 1808 und 1810 erfolgten Säkularisierung des Klosters wurde der Hochaltar demontiert und später in Einzelteilen verkauft. Die Tafeln befinden sich heute verstreut in der Welt, in Sammlungen in Dublin, Florenz, München, Paris und Washington.
Vier der neun Predellen-Tafeln erwarb König Ludwig I. von Bayern 1813 bzw. 1827 und ließ sie nach München überführen, wo sie in der Alten Pinakothek dauerhaft zu sehen sind. 1923 wurde seine Sammlung dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds übereignet, der somit heute Eigentümer der vier Tafeln ist. Während das Hauptbild die thronende Maria mit Kind umgeben von Heiligen zeigt, erzählt die Predella in zuvor unbekannter Ausführlichkeit Szenen aus der selten dargestellten Legende der heiligen Cosmas und Damian – ergänzt durch die Grablegung Christi im Zentrum.
Diese wertvollen Bilder gehen in der Regel nicht auf Reisen. Doch mit der hochkarätigen Ausstellung „Fra Angelico“ in Florenz hat man eine Ausnahme gemacht (26.9.2025 – 25.1.2026). Denn erstmals seit der Demontage des Hochaltars von San Marco in Florenz gelingt es, mit dieser Ausstellung alle Tafeln zu vereinigen und den Altar wieder in seiner Ganzheit erlebbar zu machen. Gemeinsam präsentieren die Fondazione Palazzo Strozzi und das Museo di San Marco mehr als 140 Kunstwerke. Es ist die größte Ausstellung, die es zu Fra Angelico, der in den 1430er Jahren zum führenden Maler der Florentiner Frührenaissance aufstieg, je gegeben hat.
