
Die Pinakothek der Moderne verwahrt mit 31 Gemälden einen umfassenden Bestand von Georg Baselitz, der mit Werken aus den 1960er bis heute einen hervorragenden Überblick über dessen Schaffen bietet. In Erinnerung an den nun verstorbenen Maler hat die Pinakothek der Moderne im Saal 28 eine Neupräsentation mit elf Schlüsselarbeiten zusammengestellt (03.07.-08.11.2026).
1976 widmete das Haus dem damals 38jährigen Künstler eine Einzelausstellung – damals noch im Haus der Kunst –, die wegweisend für die Sammlungspolitik wurde: Zeitgenössische Kunst rückte nun in den Fokus und eine gegenwartsorientierte Ankaufspolitik wurde etabliert. Dank der Unterstützung von Herzog Franz von Bayern, langjähriger Wegbegleiter und früher Sammler des Künstlers, konnte die erste Ausstellung verwirklicht werden und bedeutende Werke für den Sammlungsbestand gesichert werden. Viele Arbeiten von Georg Baselitz übereignete er dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds, der sie dauerhaft den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen beziehungsweise der Staatlichen Graphischen Sammlung zur Verfügung gestellt hat. 13 Gemälde und über 80 Graphiken aus der Hand von Georg Baselitz befinden sich heute im Eigentum des Wittelsbacher Ausgleichsfonds.
Drei bedeutende Gemälde, die nun ausgestellt sind, können exemplarisch genannt werden: Eine frühe Arbeit stellt das Werk „Hommage à Charles Meryon“ von 1962/63 dar. Baselitz schätzte den wegweisenden Peintre-Graveur aus dem 19. Jahrhundert und interessierte sich vor allem für dessen extremen Antinaturalismus. Hervorzuheben ist insbesondere das Gemälde „Der Mann am Baum“ von 1969, eines der ersten Werke, in denen Baselitz die Figur auf den Kopf stellte. Diese Umkehrung wurde zu einem zentralen Merkmal seines Schaffens und kann zugleich als kritische Reflexion deutscher Geschichte verstanden werden. Auch die Arbeit „Fingermalerei – Adler“ von 1972 zählt zu den Marksteinen im Schaffen von Baselitz. Durch den Verzicht auf Pinsel und das direkte Malen mit Fingern und Handballen betonte Baselitz die pure Materialität der Farbe und die unmittelbare, körperliche Geste des Schaffens.
