
Unzählige Geschichten erzählen von der Macht des Haars. Mal steht es für Kraft und Vitalität, wie bei der biblischen Figur des Samson, mal schillert es zwischen Verführung und Abschreckung, wie bei der mythologischen Medusa. Ob lang, kurz oder rasiert, glatt oder gelockt – Haare sind weit mehr als eine Frage des Stils. Sie prägen unsere Vorstellungen von Geschlecht und Rolle, sie signalisieren Status und Zugehörigkeit und erzählen von Schönheit und Begehren, von Macht und Ohnmacht, von Anpassung und Rebellion. Als universelle Sprache verhandeln sie seit Jahrtausenden soziale, kulturelle und politische Fragen und bestimmen, wie Menschen sich selbst sehen und gesehen werden.
Mit der Sonderausstellung „Haar – Macht – Lust“ präsentiert die Kunsthalle München eine kulturübergreifende Themenschau, die die vielfältigen Bedeutungen von Kopf- und Körperhaar in den Blick nimmt (20.3.-4.10.2026). Zu sehen sind rund 200 Exponate von der Antike bis zur Gegenwart – darunter Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten, Schmuckstücke, Möbel, Designobjekte und Couture-Kreationen – aus bedeutenden internationalen Sammlungen wie dem Prado in Madrid, dem Louvre in Paris oder dem Rijksmuseum in Amsterdam.
Auch aus den bayerischen staatlichen Museen sind einige Exponate entliehen und tragen zum Erfolg der großen Themenausstellung bei, darunter Werke, die sich seit 1923 im Eigentum des Wittelsbacher Ausgleichsfonds befinden: fünf Skulpturen aus den Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek, ein Gemälde aus den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen sowie eine Skulptur aus dem Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst.
Die wertvolle ägyptische Statuengruppe, die den Priester Neje neben seiner Mutter Mutnofret zeigt und die als Grabstatue der Verstorbenen diente, wurde 1823 vom bayerischen Kronprinzen – dem späteren König Ludwig I. – aus der Sammlung des französischen Generalkonsuls in Ägypten, Bernardino Drovetti, erworben.
