
Foto: © Antikensammlungen München / Renate Kühling
Die schöne Trinkschale des Duris, der als einer der produktivsten und bedeutendsten Künstler der rotfigurigen Vasenmalerei der spätarchaisch-frühklassischen Zeit gilt, zeigt im Inneren eine gefällige Szene eines Sängers mit begleitendem Flötenspieler. Doch wendet man sich der Außenseite der Schale zu, wird man von einer grausamen Szene überrascht: Sie thematisiert den jugendlichen Herakles, der gerade seinen Musiklehrer Linos tötet, indem er mit einem Stuhlbein auf ihn einprügelt. Dieser versucht vergeblich, die Schläge abzuwehren, während die vier umstehenden Jünglinge – die Mitschüler des sogenannten „Helden“ – erschrocken und wild gestikulierend fliehen.
Herkules – griechisch Herakles – zählt fraglos zu den langlebigsten und populärsten Mythengestalten der Antike. Kaum jemand kennt seinen Namen nicht: Herkules und seine Aufgaben sind längst zum Bestandteil unseres Sprachgebrauchs geworden, als Sinnbild für außergewöhnliche Kraft und Anstrengung.
Doch wie kann es sein, dass eine solche Figur, der nicht nur seinen Musiklehrer Linos, sondern auch viele weitere Lebewesen zur Strecke gebracht hat, als „Held“ gefeiert wurde? Dieser Frage geht eine Ausstellung in der Dresdener Skulpturensammlung unter dem Titel „Herkules – Held und Antiheld“ mit Hilfe herausragender Kunstwerke nach, die in einem Zeitraum von 2.500 Jahren entstanden (22.11.2025 – 28.05.2026). Die Exponate stammen überwiegend aus den reichen Dresdner Sammlungen, ergänzt durch bedeutende Leihgaben aus Rom, Paris, Madrid, München und Kopenhagen, darunter eben auch die Schale aus den Antikensammlungen München, die sich seit 1923 im Eigentum des Wittelsbacher Ausgleichsfonds befindet.
König Ludwig I. von Bayern hatte sie 1841 aus der Sammlung von Lucien Bonaparte, Fürst von Canino und Bruder Napoleons, erworben, der seit 1828 Ausgrabungen in den Nekropolen der etruskischen Stadt Vulci durchgeführt hatte.
