Neue Medienstation zu den assyrischen Reliefs in München

Medienstation zu den assyrischen Reliefs im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst, München, Gl. WAF 3 – 9, Foto: © SMÄK / Arnulf Schlüter

Eine neue, interaktive Medienstation zu den monumentalen assyrischen Reliefs macht im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst unter dem Leitgedanken „Die Antike war bunt“ erstmals sichtbar, was an den Originalen heute kaum noch zu erkennen ist: ihre einstige farbige Gestaltung.

1845 hatte der Brite Austen Henry Layard den königlichen Nordwest-Palast der Stadt Nimrud im heutigen Irak entdeckt. Die Stadt war im 13. Jahrhundert vor Christus am Fluss Tigris gegründet worden und unter König Assurnasirpal II. im 9. bis 8. Jahrhundert vor Christus zur Hauptstadt des Neuassyrischen Reiches avanciert. Im Palast fand Layard wertvolle Reliefplatten mit beeindruckenden, überlebensgroßen göttlichen Figuren, die er abnehmen und für den Transport nach Europa zersägen ließ. Heute sind Reliefs aus Nimrud auf mehr als 60 Museen und Sammlungen verteilt, darunter der Louvre in Paris, das Metropolitan Museum of Art in New York oder das Vorderasiatische Museum in Berlin. Auch König Ludwig I. von Bayern kaufte 1863 sieben der Reliefs, die 1923 dem Wittelsbacher Ausgleichsfonds übereignet wurden. Es war seine letzte große Erwerbung für die Münchner Glyptothek.

Zahlreiche wissenschaftliche Projekte widmen sich schon lange der Erforschung dieser Reliefs und der zugehörigen Palastanlagen. Ein Teil dieser Vorhaben zielt darauf ab, die ursprüngliche Erscheinung und Aufstellung zu rekonstruieren. Seit neuestem vermittelt nun eine Medienstation im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst den historischen und archäologischen Kontext. Besucherinnen und Besucher erhalten anhand digitaler Rekonstruktionen Einblicke in Bedeutung, Herkunft und ursprüngliches Wirken der Reliefs. Die Medienstation verbindet also aktuelle Forschung mit anschaulicher Vermittlung. Grundlage sind naturwissenschaftliche Pigmentanalysen an den Originalreliefs, Farbfunde aus den Ausgrabungen sowie vergleichbare Darstellungen aus dem gleichen kulturellen Kontext.

Möglich wurde diese Medienstation durch das Förderprogramm „kultur.digital.strategie“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

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